Jede Stadt hat ihre Chronisten, und gemessen an seiner Quote ist Till Quitmann zumindest ein heißer Anwärter darauf, dies für seine Heimatstadt Köln zu sein: über 200 Sendungen umfasst sein elektronisches Portfolio, in dem sich die unterschiedlichsten Gäste die Klinke, beziehungsweise seinen Co-Star und Markenzeichen - den Klappstuhl - in die Hand geben.

 

Als Interviewer seiner längst zum Kult avancierten Serie "Klappstuhl - Till trifft..." entlockt er Bestattern, Popstars, Schauspielern, Comedians, Musikern, Sportlern, Ex-Drogendealern, Youtubern, Fotografen und schrägen Figuren Gespräche, die seinem journalistischem Gespür und seiner Erfahrung zum Dank innerhalb kürzester Zeit die Richtung wechseln können. Von Comedy über Talk bis hin zu privaten Bekenntnissen, seine Gäste fühlen sich bei ihm wohl, und steigen für ihre eigene #Klappstuhl-Sendung in Särge und Skateboardrampen oder in Whirlpools. Björn Heuser schrieb ihm sogar den Klappstuhl-Song.

 

Von Drogenbeichte, Gefängniserlebnissen, Burnout, Flucht, sexueller Ausrichtung bis hin zu peinlichen Witzen - der Klappstuhl-Till ist Promiversteher - die Stars fühlen sich wohl.

 

Im Schatten des Müngersdorfer Stadions kam diese redegewandte R(h)einenergie zur Welt, und Fußball spielt in seinem Leben eine große Rolle, anders: es führte kaum ein Weg daran vorbei. Als archivarischer Kenner war der begeisterte FC-Fan Mitherausgeber der Imagebroschüre "Willkommen im Fußball-Land", die der DFB in die deutsche WM-Bewerbung für 2006 integrierte. Er realisierte für einen Unterhaltungselektronikkonzern Imagefilme und ist seit Jahren freier Mitarbeiter der WDR Lokalzeit aus Köln. Für seine filmische Begleitung einer Krebspatientin bis über den Tod hinaus wurde er für einen WDR-TV-Preis nominiert. Für sein spezielles Brings-KEC-Musikvideo erhielt er "Das Goldene Känguru" des WDR. Das waren Meilensteine auf seinem Weg, der noch lange nicht beendet ist.

 

 

Das ist natürlich längst nicht genug. Der Familienmensch bietet sein rasantes Mundwerk und sein schier unerschöpfliches, immer aktuelles Repertoire an Anekdoten, Humor und Charme auch für Firmen- und Weihnachtsfeiern an. Für die fünfstündigen Moderation des Rosenmontagszuges feierten ihn die Gaffel-Zuschauertribüne. Aber wie bereits vermutet, die eigentliche Bestimmung seiner Karriere ist und bleibt der #Klappstuhl. Wahrscheinlich verfügt auch er über dieses immense Wissen über Colonia Claudia Ara Agrippinensium, das runde Leder, Musik, Theater & Film, oder jenes diplomatische Geschick, diesen rhetorischen Tiefgang und diese ureigene rheinische Gelassenheit. Einem einzelnen Typen mit Brille ist das nämlich unmöglich zuzutrauen.

 

Thilo Hornschild  |  Juni 2018

ABOUT ME

Der Klappstuhl-Song

"Keiner stellt Menschen im TV so einfühlsam und lustig zugleich vor wie Till. Deshalb habe ich ihm spontan den Klappstuhl-Song geschrieben."

Björn Heuser